Queen im Bonner Underground 1973 - Zeitzeugen erinnern sich

Stell' dir vor, Queen ist da und kaum einer geht hin

Von Moritz Rosenkranz

Die Nadel im Heuhaufen ist nichts dagegen: Verlässliche Informationen, geschweige denn ein Foto zu dem sagenumwobenen Queen-Konzert im Bonner Underground zu bekommen, ist nahezu unmöglich. Während Bildmaterial schlichtweg nicht existiert, lassen sich über die Begleitumstände nur Vermutungen anstellen. So verdichten sich die Anzeichen, dass das Konzert nicht am Samstag, den 13. Oktober 1973, sondern am Donnerstag, den 11. Oktober stattgefunden hat. Einige Zeitzeugen erinnern sich etwa, in der Schule von dem Konzert erfahren zu haben, was gegen den Samstag spricht, an dem ohnehin mit längerem Vorlauf bekannte Bands gespielt haben - und Queen war 1973 alles andere als bekannt. Die offizielle Website von Queen gibt hingegen Dienstag, den 16. Oktober als Datum an - obwohl das Underground dienstags grundsätzlich geschlossen hatte, wie alte Programme verraten.

Rätselhaft ist auch, warum Queen überhaupt in Bonn auftraten. Fest steht: Die Band war auf einer Promo-Tour, hauptsächlich durch die Benelux-Länder und Frankreich unterwegs - einige Radiointerviews und Presseauftritte. Das Konzert in Bonn soll kurzfristig auf Betreiben der Kölner Plattenfirma Emi Electrola zustande gekommen sein. Doch außer den Emi-Leuten war niemand vor Ort, von den geschätzt 50 Zuschauern einmal abgesehen. Weder Presse, Radio oder Fernsehen waren geladen worden, was bei Promo-Tourneen in der Regel üblich war. Was war also der Zweck des Auftritts? Einen Plattenvertrag hatte Queen ja bereits.

Auch Jürgen Künz stellt sich diese Fragen. Hätte er doch seinem Onkel geglaubt! Hat er aber nicht. Darüber ärgert er sich noch heute. Denn der freie Journalist aus Köln hat sich eines zum Ziel gesetzt: Ein umfassendes Buch über das Queen-Konzert 1973 in Bonn herauszubringen. Schon vor 30 Jahren hatte sein mittlerweile verstorbener Onkel, ein regelmäßiger Underground-Gänger, ihm davon erzählt. Und Künz ist, obwohl damals frenetischer Queen-Fan, nicht darauf angesprungen. Erst 2001 ist er auf einer Veranstaltung in Münster wieder an die Sache erinnert worden, die ihn seitdem nicht mehr loslässt.

So ähnlich wird es bei Queen ausgesehen haben: Zeitzeuge Dieter Bristrup (2.v.l.) mit seiner Band "Die Leute" auf der Bühne im Underground Anfang der 70er Jahre. Foto: Privat

Künz hat auch schon Nachforschungen bei Emi angestellt. Für ihn könnte ein Grund dafür, dass es auch keinerlei offizielle Informationen aus Archiven zu dem Bonner Konzert gibt, sein, dass Queen 1975 mit ihrem Management gebrochen hat - und viele Dokumente aus dieser Zeit längst verschwunden sind oder in Archiven vergammeln. "Auch durch den späteren Umzug der Emi in die Innenstadt Kölns kann noch Archivmaterial verloren gegangen sein", sagt Künz. Er hat im Laufe der Zeit rund 400 meist englischsprachige Zeitschriftenartikel aus den Jahren '73 bis '75 über Queen gesammelt. Doch außer der erwähnten Promo-Reise nach Europa finden sich auch dort keinerlei Informationen.

Selbst der einzige offizielle internationale Queen-Fanclub hat über das genannte hinaus keine Infos zu diesem Bonner Oktober-Abend des Jahres 1973. Dabei sind die Vorsitzenden bestens vernetzt. Für den GA haben sie sogar zu den zwei noch verbliebenen Mitgliedern der Stammbesetzung der Band direkten Kontakt aufgenommen. Doch weder Gitarrist Brian May, noch Schlagzeuger Roger Taylor können sich erinnern. Einzig Bassist John Deacon, der schon Mitte der 90er Jahre ausgestiegen ist, hatte Jürgen Künz in einem Interview 1982 gesagt: "Es war eine sehr kleine Halle und wir mussten durch das Publikum gehen um auf die Bühne zu gelangen."

Künz hat damals für Musikmagazine gearbeitet und ist Queen als Fan hinterher gereist, selbst zu Studioaufnahmen nach Frankfurt. Zu Brian May hatte er ein recht enges Verhältnis, wurde von dem Gitarristen sogar einmal zum Mittagessen eingeladen. Alte Kontakte, die ihm heute nicht mehr weiterhelfen. Dennoch ist er wild entschlossen, im kommenden Frühjahr ein Buch über das Konzert herauszugeben. Am liebsten würde er es sogar im ehemaligen Underground vorstellen - auch wenn das mittlerweile ein renoviertes Wohnhaus ist.



Wir waren dabei

Dieter Bristrup war damals 17 Jahre alt und erinnert sich an eine „eher gespannte Ruhe“ bei dem Konzert. Der Wachtberger war aber schon 1973 Queen-Fan und ist selbst Musiker.

Helmut Hansen war damals 20 Jahre alt und Stammkunde im Underground. „Eigentlich wollten wir nur ein bisschen rumlungern“, erinnert er sich. Nach dem Konzert hat der Bonner dann mit Queen noch ein paar Bier getrunken.

Michael Beyer war damals 17 Jahre alt und hatte keine Erwartungen an das Konzert. Der Bad Godesberger sagt heute über die Band: „Die sahen damals ziemlich abgerissen aus.“

Thomas Küpper war damals 15 Jahre alt und erinnert sich an „dünne junge Herren aus England“. Wegen Queen ist der Rheinbacher allerdings nicht ins Underground gegangen. Küpper war auf der Suche nach einer Dame.

Wolfgang Ermert war damals 18 Jahre alt und hat das Konzert, klassisch Underground, auf einer Matratze auf dem Boden verfolgt. Die damalige Freundin den heutigen Sankt-Augustiners wohnte um die Ecke vom Underground.